Das Grauen beim Bäcker

Ich erinnere mich, in der Schule gelernt zu haben, dass eine der deutschen kulinarischen Spezialitäten die unglaubliche Vielfalt an Brot und Backwaren sei – ähnlich den Käsesorten in Frankreich. Und es war zumindest in meiner Wahrnehmung auch so, dass man, wenn man die Zeit hatte, Brot eher bei dem einen Bäcker und Kuchen bei dem anderen kaufte – weil eben jeder Betrieb seine besonderen Stärken hatte.

Wie auch in vielen Bereichen sonst wird der Backwarenmarkt heute zu einem großen Teil von regional und auch überregional arbeitenden Großbetrieben beherrscht. Die zwangsläufige Folge: Vielfalt geht verloren, immer mehr wird in großen Mengen automatisiert hergestellt, alles schmeckt mehr oder weniger gleich. Also: natürlich schmeckt die Brezel anders als das Croissants, aber ob man das Croissant nun bei Bäcker X oder Bäcker Y kauft, macht geschmacklich oftmals kaum einen Unterschied.

Gleichzeitig zahlt man meiner Empfindung nach höhere Preise für Produkte, die so designt werden, dass sie entweder als Tiefkühlteigling lieferbar sind oder länger im Verkauf bleiben können (oder einfach schneller oder billiger konfektioniert werden können).

Beispiel “Belegtes Brötchen”. Man mag mich gerne langweilig nennen, aber auf einem Wurstbrötchen erwarte ich in erster Linie Wurst. Drumherum ein Brötchen. Butter kann gerne drauf sein, eine Scheibe saure Gurke ist schon Luxus. Mehr braucht es meiner Meinung nicht. So bekommt man übrigens noch Brötchen bei vielen Metzgern – und das zu einem realistischen Preis und mit viel Glück kommt das Brötchen auch noch von einem Bäcker, der gute Brötchen macht. Und was bekommt man bei den meisten Bäckern? Ein Brötchen, das mit billigster Remoulade aus der Quetschflasche bestrichen ist statt mit Butter, darauf ein halber gemischter Salat und zwei Scheiben Wurst. Klar, Butter ist teurer als Remoulade und auch noch schwieriger zu streichen – und die Salatbeilage lenkt gekonnt davon ab, dass oftmals weniger Wurst als beim Metzger auf dem Wecken liegt und hält das Kunstwerk länger frisch schmeckend. Das Ganze heißt dann nicht mehr “Wurstbrötchen”, sondern “Gourmet-Sandwich”, “Feinschmecker-Knusperspitz” oder so und kostet, um den Hauch von Exklusivität zu vermitteln, nicht 1,20 Euro wie beim Metzger, sondern 2,50 Euro. Und die Leute kaufen den Mist! Mal ehrlich: wenn ich fast eine halbe Stunde arbeiten gehen soll, um ein belegtes Brötchen zu bezahlen, dann erwarte ich aber wenigstens echte Butter – billige Schnellschmierstoffe akzeptiere ich bestenfalls auf den 99-Cent-Wurstbrötchen von Backwerk und Co. Überhaupt scheinen es viele Leute nicht wahrzunehmen, dass sie vielerorts die Massenqualität zum Handwerkspreis bezahlen, so lange das Geschäft nur schön dekoriert ist und die Ware appetitlich präsentiert in der Vitrine liegt. Tipp: Industriequalität bekommt man billiger beim Discounter mit Aufbackstation oder bei den SB-Backwarenverkaufsstellen. Und wer Handwerksqualität bezahlt, sollte auch welche bekommen.

Genug über belegte Brötchen geschimpft, wenden wir uns den süßen Snacks zu. Beispiel Schneckennudel: traditionell ist diese aus Hefeteig gebacken, mit etwas sehr klebrigem Zuckerguss bestrichen und je nach Bäcker mit einigen wenigen Rosinen dekoriert oder auch nicht. Eine Köstlichkeit! Nun hat die Hefeschnecke den Nachteil, nur einen Tag lang verkauft werden zu können, weil sie danach altbacken schmeckt. Also ersetzt man großflächig den Hefeteig durch Plunder- oder Blätterteig, der auch backbereit tiefgefroren lieferbar ist – und um davon abzulenken, dass das nicht wie das Original schmeckt, füllt man Nusspamp, Schokopamp oder Quarkpamp hinein. Fertig ist die Schnecke 2.0! Deren Verkaufspreis liegt übrigens mit 1,20 bis 1,30 Euro meistens locker 20-50% über dem der “Handwerksschnecke”, für die zwischen 0,85 und 1,00 Euro aufgerufen werden – also macht man “Superdupersondersparpreisfamilienangebote” und bietet die Dinger im Dreierpack für 2,79 Euro an, womit sie pro Stück wieder nur noch so viel kosten wie eine richtige Schneckennudel, nur dass ich statt einer nun drei gekauft und bezahlt habe – und so richtig schmecken sie auch zu dritt nicht…

Nee, da bleibe ich lieber bei meinen langweiligen Traditionen, kaufe mir mal eine Hefeschnecke oder einen simplen Spitzweck mit Lyoner bei einem Bäcker, dessen Laden so aussieht, als sei die Zeit seit fünfzig Jahren stehen geblieben – und ich genieße es!

Respekt!

Mit einem Rudel Berufsschüler, die alle kurz um das Erreichen der Volljährgkeit sein dürften, fahre ich zur Betriebsbesichtigung zu Mercedes-Benz nach Rastatt. Hin über die Bundesstraße, weil es auf der A5 mal wieder Stau gab. Dann die eine Hälfte in der Innenstadt abgesetzt und die andere Hälfte zur Betriebsbesichtigung – nach dem Mittagessen wird dann getauscht.

Im Werk ist dann die Zufahrt zu einer der zu besichtigenden Hallen ohnehin nicht übermäßig groß und heute parkt auch noch ein Auto recht ungünstig. Aber ich habe das Gefühl, dass ich daran vorbeikomme. Komme ich auch unter Einsatz sämtlicher Spiegel und Lenkradvolleinschlag.

Von den Jungs in der ersten Reihe kamen daraufhin tiefste Respektbekundungen. Ist natürlich immer ein nettes Gefühl, gebauchpinselt zu werden, aber in diesem Fall nachvollziehbar: da beim Bus die Vorderachse recht weit hinten sitzt, ist das Kurvenfahren nicht mit einem Pkw vergleichbar. Und vom Passagierraum aus sieht es eben manchmal fast so aus, als würde man quer zur Fahrtrichtung direkt vor dem Hindernis zur Seite schweben (ich verrate mal einen Trick: ich habe Spiegel, die mir zeigen, wie viel Platz da in echt noch ist – und meistens ist es mehr als es scheint).

Dass man als Fahranfänger, der sich gerade mit einem normal großen Pkw im Straßenverkehr zurechtzufinden versucht, ein bisschen staunt, wie viel Lkw oder Bus in wie wenig Straße passt, ist wohl auch nachvollziehbar – mir ging es jedenfalls nicht anders.

Wenn ich jetzt ganz viel Glück habe, gibt es jetzt ein paar junge Leute weniger, die Bushaltestellen zuparken (weil sie gesehen haben, wie eng das aus dem Bus heraus gesehen aussieht). Wenn ich ganz viel Pech habe, werden jetzt mehr Menschen ihre Autos in den Weg stellen – denn ich habe ja bewiesen, dass ich da trotzdem vorbei komme ;)

Bankenwechsel

Zu Beginn des vergangenen Monats war ich im Urlaub – und zwar genau zu der Zeit, zu der Gehalt auf meinem Konto ein- und fällige Zahlungen abgehen sollten. Nachdem mein Arbeitgeber das Konto bei derselben Filiale derselben Bank führt wie ich damals noch, ich ferner wusste, dass er die Überweisung meines Lohns am Samstag, den 31. März eingereicht hat, habe ich todesmutig meine fälligen Überweisungen auf Dienstag, den 3. April datiert. Zudem – selbst wenn sich das überschneiden würde, war ich ja jahrelang Stammkunde mit konstantem Gehalt und zahlte klaglos die höchsten Kontoführungsgebühren der Stadt, da wird im Zweifelsfall ja ein wenig Service inklusive sein.

Laut der Banking-App meines Schlaufernsprechers ereignete sich am 3. April indessen folgendes: zwischen 8.00 und 8.30 Uhr gab die @AlteBank drei Überweisungen mangels Deckung zurück und zog auch gleich dreimal 3 Euro Benachrichtigungskosten ein, wenige Minuten vor 9.00 Uhr kam dann mein Gehalt.

Grummel. Die fälligen Überweisungen online erneut absenden konnte ich nicht, da ich dummerweise meinen TAN-Generator (dieses Ding, dem man die Kontokarte rektal einführt und es dann an diese Flackerbilder hält, die in Asien epileptische Anfälle auslösen) nicht im Reisegepäck dabei hatte und die @AlteBank leider weder Telefonbanking noch Handy-TAN anbietet.

Ich verbrachte also doch einige Urlaubszeit damit, eine Dresdner Filiale der @AlteBank aufzusuchen. Dort konnte man mir zwar prinzipiell nicht helfen, aber mit viel gutem Service eines Mitarbeiters und mehreren Telefonaten seinerseits konnte er wenigstens die dringendste der drei Überweisungen fernauslösen. Danke hier nochmals!

In mir wuchs während des Gegrummels der Wunsch nach einer Bank, die wenigstens für den Notfall auch Telefonbanking anbietet – und wenn schon so stur automatisch gearbeitet wird, wenigstens kostenlose Kontenführung anbietet – bei einer solchen hätte ich ja nie den Service erwartet, dass die Lastschriften bei Nichtdeckung von einem Sachbearbeiter geprüft werden.

Ich fand also die @NeueBank, die all das bietet: TAN-Generator, Handy-TAN, Telefon-Banking und kostenlose Kontoführung. Also schnell dort ein Konto online eröffnet und, als die Bestätigung kam, folgenden Brief an die @AlteBank verfasst:

Kündigung meines Girokontos Nr. 0815 sowie meines Tagesgeldkontos 4711

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich über den vergangenen Monatswechsel in Urlaub war, habe ich einige meiner monatlichen Überweisungen vorab per Onlinebanking eingerichtet und die Ausführung zum 3.4. vereinbart.

Da mein Gehalt am frühen Morgen des 3.4. noch nicht gebucht war, wurden demnach zwei Überweisungen sowie eine Lastschrift nicht ausgeführt, wodurch mir Ihrerseits bereits 9 Euro Benachrichtigungskosten berechnet wurden.

Kurze Zeit später wurde dann der Gehaltseingang verbucht.

Ich bin der Auffassung, dass, wenn es schon mehrere Buchungstermine am selben Tag geben muss, man Terminüberweisungen entweder gegen Tagesende buchen sollte oder aber, falls dies nicht erwünscht sein sollte, zumindest so viel Feingefühl an den Tag legen sollte, einem Kunden, der seit mehreren Jahren ein monatlich festes Gehalt bezieht (und dessen Arbeitgeber ebenfalls Kunde Ihres Hauses ist), nicht durch solch eine Aktion derart offen das Misstrauen auszusprechen.

Da Sie leider weder Telefonbanking noch das mobileTAN-Verfahren anbieten (so dass ich die Überweisungen auch ohne chipTAN-Gerät einfach von unterwegs aus erneut hätte auslösen können), ich somit einen nicht ganz unerheblichen Teil meiner Urlaubszeit darauf verwenden musste, um eine @AlteBank vor Ort zu finden, um wenigstens die dringlichste der drei Überweisungen erneut auslösen zu können, habe ich den dadurch empfundenen Ärger zum Anlass genommen, mir eine andere Bank zu suchen.

Ich kündige daher hiermit zum nächstmöglichen Termin meine beiden o.a. Konten. Ein eventuelles Restguthaben möchten Sie bitte auf mein Konto Nr. 12345 bei BLZ 99966633 (@NeueBank) überweisen.

Darüber hinaus bitte ich Sie, von Rückholversuchen sowie der Zusendung von Reklame abzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Eine gewisse Zeit später bekam ich dann Post von einem “Abteilungsdirektor Geschäftsbereich Verwaltung” der @AlteBank. Keine Ahnung, was der Titel bedeutet – ich weiß nicht, ob das eine echte Größe ist oder, um Rabenau zu zitieren, “ein wichtiges Scheibchen unter einem Schräubchen an einem Rädchen im Getriebe”. Ich erlaube mir, diesen Brief jeweils nach meiner Lesart zu deuten.

Die Kündigung Ihrer Konten mit der Nummer 0815 und Nummer 4711,

sehr geehrter Herr Brombeerfalter,

liegt uns vor. Keine Angst, dies ist kein Rückholversuch – allerdings wollen wir einige Aussagen doch klarstellen:

Wieso sollten wir einen unbequemen Kunden wie Dich behalten wollen? Interessant warst Du nur, als Du brav gezahlt hast und ansonsten nicht aufgefallen bist.

Wir erkennen, dass Sie mit dem Service und verschiedenen Abläufen in unserem Haus nicht zufrieden sind.

Das war in Deiner Kündigung auch nicht zu übersehen.

Das bedauern wir. Die Zufriedenheit unserer über 40.000 Kunden ist uns sehr wichtig. Deshalb nehmen wir Ihren Hinweis gerne entgegen.

Meinst Du, es schert uns, wenn so ein kleines Licht wie Du wechselt? Hey, da sind noch 40.000 andere Lemminge, die unsere hohen Gebühren zahlen.

Die Tatsache, dass sich Ihre Dispositionen an einem Tag überkreuzt haben, ist wohl einem unglücklichen Zufall zu verdanken.

Vielleicht glaubst Du jetzt ja, dass wir eine Überweisung im Haus unmöglich an einem Werktag abwickeln können – ist viel zu viel Arbeit.

Sie nutzen bei uns das kostenlose Kontenmodell XY. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Menge der täglich anfallenden, standardisierten Transaktionen bei diesen Preisen nur bewältigen können, wenn diese EDV-technisch abgewickelt werden können.

Guck mal: Deine Unzufriedenheit war es mir noch nicht einmal wert, nachzuschauen, welches Kontenmodell Du bei uns hast. Ich gehe mal von “kostenlos” aus. Und was nichts kostet, ist auch nichts. Merks Dir!

Hier liegt die Ursache und nicht etwa im fehlenden Feingefühl unseres Kundenberaters und ein Ausdruck des Misstrauens ist dies ebenfalls nicht.

Unser Kundenberater ist nämlich ein ganz ein Sanfter – auf Wunsch massiert er Dich auch, wenn Du es Dir leisten könntest.

Ihren Hinweis zu den TAN-Verfahren zur Legitimation nehmen wir zur Kenntnis. Bitte beachten Sie jedoch, dass wir unseren Kunden nur sichere Verfahren anbieten.

Bitte nimm zur Kenntnis, dass uns zahlreiche Testberichte, die dem mobileTAN-Verfahren ein vergleichbares Sicherheitsniveau wie dem chip-TAN-Verfahren attestieren, nicht interessieren.

Wir verstehen, dass Sie sich über diesen Vorgang geärgert haben.

Es geht uns vierspurig am Allerwertesten vorbei.

Allerdings erlauben Sie uns den Hinweis, dass Sie Ihre Dispositionen wohl nicht ganz glücklich getroffen haben. Überweisungsaufträge kann man nun einmal nur bei entsprechender Deckung durch Guthaben oder in Rahmen [sic!] eines Kreditlimits ausführen.

Aber das hat nichts mit Misstrauen zu tun, dass wir Dir das Geld nicht eine halbe Stunde vorstrecken konnten.

Dass der Gehaltseingang erst später eingegangen ist, haben wir nicht zu vertreten.

Wir lassen nämlich unsere Überweisungen im Haus aus Kostengründen von einbeinigen mongolischen Jungfrauen in lauen Vollmondnächten bearbeiten, also maul nicht rum, wenn es mal länger dauert.

Freundliche Grüße

Auf Nimmerwiedersehen

Irgendwie hat mich dieser Brief auf eine Art gefreut – er kam mir so vor, als balancierte der Herr Abteilungsdirektor auf dem messerscharfen Grat zwischen “ich muss freundlich sein” und “diesem meckernden Arschloch werde ich die Meinung geigen”. Ich kann es mir ganz gut bildlich vorstellen.

Klar wird mein Bankenwechsel keinen Einfluss auf die Bilanzen der @AlteBank haben. Aber wieso sollte ich noch im teuersten Haus am Platze bleiben? Autmatisierte Behandlung gibt es wie erwähnt anderswo gratis. Und eine emotionale Bindung habe ich zu den Banken, bei denen ich bislang Kunde war, nie aufgebaut.

Nichtsdestotrotz schrieb ich eine e-Mail an die im Brief genannte Adresse:

Ihr Schreiben vom 26. April 2012

Sehr geehrter Herr Mustermann,

herzlichen Dank für Ihr o.a. Schreiben. Sicherlich hätte ich, um sicher zu gehen, meine Überweisungen einen Tag später terminieren können. Allerdings wusste ich, dass meine Chefin die Überweisung mit meinem Lohn am Samstag, den 31. März, in Ihrem Hause in den Briefkasten geworfen hat, weshalb ich davon ausging, dass diese am Montag sicher bearbeitet würde. Aber gut, dies war in der Tat mein Fehler.

Dass bei einem kostenlosen Girokonto die Bearbeitung der Buchungen vollautomatisiert erfolgt, leuchtet mir ein und ich würde bei einem solchen Konto auch keine persönliche Nachbearbeitung erwarten. Indes erlaube ich mir den Hinweis, dass mein Konto in Ihrem Hause alles andere als kostenlos war – ich zahlte jeden Monat 1,50 Euro und für jede Buchung 0,25 Euro – selbst für Online-Überweisungen. Im Jahr dürften so, ohne es nun genau ausgerechnet zu haben, etwa 50 bis 60 Euro an Gebühren aufgelaufen sein (und wenn ich meine bargeldlosen Zahlungen nicht, wann
immer möglich, mit einer anderen Karte erledigt hätte, wären es wohl eher 80 bis 100 Euro jährlich geworden). Sie werden mir sicher zustimmen, dass dies nicht kostenlos ist (und deshalb hatte ich auch angenommen, dass es hier eine Art “Rückkontrolle” durch einen Sachbearbeiter gäbe). Ein kostenloses Modell gab es meines Wissens nicht in Ihrem Hause, als ich seinerzeit das Konto eröffnete.

Ich hätte nun doch noch zwei Fragen:

1. zu welchem Termin tritt die Kündigung in Kraft?
2. soll ich Ihnen meine Kundenkarte zurücksenden oder selbst vernichten und entsorgen? Der Geldkarten-Chip ist bereits entladen.

Mit freundlichen Grüßen

Brombeerfalter

 

Die beiden Fragen dienten eigentlich nur dazu, die @AlteBank zu einer Antwort zu bewegen. Ich ging nämlich davon aus, dass man sich ansonsten tot stellen würde.

Die Antwort kam indes am 3. Mai in Gestalt einer e-Mail von einer der Mitarbeiterinnen des Abteilungsdirektors. Kurz und knapp:

Guten Tag Herr Brombeerfalter,

wir werden die beiden o.a. Konten per morgen (4.5.2012) abrechnen und schließen.

Die Karte können Sie selbst vernichten.

Freundliche Grüße

Diese Nachricht muss ich nicht deuten. Interessant zu deuten finde ich eher, was nicht geschrieben wurde:

Und es interessiert uns einen feuchten Kehricht, ob Dein kostenloses Konto gratis oder sauteuer war – Du hast bei uns den konstenlosen Service bekommen und damit basta! Mehr bekommst Du hier nicht.

Hach ja, irgendwie bin ich gar nicht so extrem böse, dass es nun nicht mehr mein Geld ist, das den Kauf merkwürdiger Kunstobjekte für die Schalterhalle mitfinanziert. Und dass ihr, liebe @AlteBank, lokale Vereine unterstützt, ist edel – aber wenn ich das Geld, das ich nun einspare, direkt an lokale Projekte gebe, die ich unterstützen möchte, fühle ich mich besser und die haben auch mehr davon.

In diesem Sinne:

Tschüss.

 

Fröhliche Mietwagenverwirrung

Per Funk werde ich zu einer Adresse in Kehl beordert. Dort wartet auf der Straße eine Dame, die dringend zu einem Facharzttermin gefahren werden möchte. Sie freut sich, dass das Taxi so schnell kam – denn eigentlich hätte sie schon vor einer Dreiviertelstunde bei Citycar einen Wagen bestellt, der sei aber trotz telefonischer Nachfrage nicht erschienen, weshalb sie jetzt nicht mehr viel Zeit verlieren wolle.

Ich wundere mich: Citycar? Ich weiß, dass es in Kehl eine Firma namens Minicar gibt – sowie eine weitere Mietwagenflotte, die unter dem Namen Baden-Blitz firmiert; aber ein Citycar in Kehl war mir nicht bekannt. Daher frage ich noch einmal nach, ob sie nicht vielleicht Minicar gemeint habe? Nein, Citycar Kehl, da sei sie sich sicher, mit einer gebührenfreien Telefonnummer.

Nach der Fahrt konnte ich der Dame beweisen, dass eine Taxifahrt nicht unbedingt teurer sein muss als der Pauschalpreis im Mietwagen; außerdem habe ich das Gefühl, eine Stammkundin gewonnen zu haben.

Als ich wieder am Bahnhof stehe, bemühe ich die verdächtigen Alleswisser aus dem Internet und finde doch tatsächlich heraus, dass die Firma Citycar Offenburg auch die Internet-Adresse citykar-kehl.de betreibt. Die Seite selbst scheint aber mit der Offenburger Seite identisch – die Preisübersicht listet beispielsweise nur Fahrten ab Offenburg auf.

Meine Vermutung ist nun, dass die Dame einfach einen Wagen in die XY-Straße, in der sie wohnt, bestellt hat. Die XY-Straße gibt es aber sowohl in Offenburg als auch in Kehl, sodass ich glaube, dass der bestellte Wagen zur gleichnamigen Adresse in Offenburg gefahren ist. Außerdem würde es mich nicht wundern, wenn die Dame, wäre der Wagen tatsächlich erschienen, nicht nur den Preis für die Stadtfahrt in Kehl, sondern auch den Fahrpreis Offenburg-Kehl hätte bezahlen müssen, womit die Fahrt, die schlussendlich im Taxi 5,60 Euro gekostet hat, dort auf knapp dreißig Euro gekommen wäre.

Was mich nun etwas verwundert: so lange dieses Mietwagenunternehmen keinen Sitz in Kehl hat, müssen die Wagen ja nach jeder Fahrt, wenn sie keine direkte Anschlussfahrt haben, zurück zum Betriebssitz nach Offenburg. Das sind immerhin etwa 18 Kilometer Entfernung. Auf dieser Basis lassen sich doch nicht wirtschaftlich Fahrten in Kehl anbieten, oder?

Gute Wörter, schlechte Wörter

Getränke, insbesondere solche, die von Fasnachtsgruppen konsumiert werden, haben ja mitunter merkwürdige Namen. Ich schrieb ja bereits darüber und amüsiere mich im Nachgang über die Leute, die von Suchmaschinen zum Brombeerfalter geschickt wurden, obwohl sie doch deutlich horizontalere Berichte gesucht haben.

Genauso lustig finde ich aber die Art, wie unser örtlicher EDEKA die Regaletiketten zu den Getränken beschriftet: “Bumsen” traute man sich noch auszuschreiben, aber der gute alte “Ficken” wird im Warenwirtschaftssystem ganz verschämt zum “Fi-Likör”. Goldig!

Füllstandsschätzung

Der neueste Bus im Fuhrpark unserer Firma ist ein 29-sitziger Probus Rapido, ein Fahrzeug, das auf Basis eines Iveco Daily aufgebaut ist. Wir haben zwei Fahrzeuge dieses Typs, ich fahre sie beide gerne, weil ich finde, dass sie sehr durchdacht konstruiert sind. Allerdings haben sie, wie jedes ordentliche Fahrzeug, einige Schwächen besondere Charaktereigenschaften.
Der erwähnte Bus hat einen 160-Liter-Dieseltank – das kann je nach Fahrstil für bis zu 1200 km reichen, der Rapido ist nämlich recht verbrauchsarm. Das Problem dabei ist: Iveco kennt von sich aus nur Tanks bis 120 Liter. Demzufolge zeigt die Tankuhr auf Null, wenn von den 160 Litern Diesel 120 verbraucht sind – man hat also noch 40 Liter übrig, die eine ganze Weile reichen. Und es ist nicht nur die auf Null stehende Tankuhr, der Bordcomputer des Daily macht dann auch recht bald mit immer wiederkehrenden, deutlich wahrnehmbaren Piepstönen und der Textanzeige “Sehr wenig Kraftstoff” auf den drohenden Leerstand aufmerksam.
Zur Abhilfe haben uns die Jungs von Probus eine zweite Tankuhr seitlich installiert. Allerdings hat man ja spätestens beim Bund gelernt: “gut gemeint” ist das genaue Gegenteil von “gut gemacht” – die neue Tankuhr zeigt nämlich einen noch niedrigeren Füllstand als die originale, die ja ihrerseits schon zu tief schätzt. Laut dem neuen Instrument ist der Tank dann schon nach etwa 80 verbrauchten Litern offiziell leer gefahren.
Einstellen kann man, wenn man der Installationsanleitung des neuen Instruments glaubt, nur den Punkt, ab dem die Warnleuchte angeht. Was für unsere Zwecke fehlt, ist eine Möglichkeit, die Zeigerstellungen “leer” und “voll” einzustellen. Schade, dass es das nicht gibt.
Mal schauen, ob das von Probus noch behoben wird. Zwischenzeitlich wird einfach öfter nachgetankt :)

Begabt

Mein Fahrgast ist eine Fünftklässlerin, die ich von der Schule nach Hause bringe. Normalerweise fahren noch ihre beiden älteren Geschwister mit, aber die fehlen heute. Und normalerweise kommt das Mädchen im Taxi kaum zu Wort, wenn ihre Schwester oder ihr Bruder dabei sind.
Heute ist sie wie gesagt allein und fragt mich, ob sie mir eine Geschichte vorlesen darf, die sie geschrieben hat. Klar doch, wieso nicht?
Ich hatte ja im Deutschunterricht nie Probleme mit Rechtschreibung, Grammatik oder Satzbau – und somit auch meistens ganz ordentliche Noten. Meine Probleme im Deutschunterricht lagen meistens im Unwillen begründet, klassische Literatur zu konsumieren – und in der Fantasie. Freie Aufsätze waren grundsätzlich etwas, was mir nicht gelingen wollte. Daher finde ich es immer faszinierend, wenn sich Menschen schöne Geschichten ausdenken können.
Zurück zu meinem Fahrgast: Ich muss ehrlich gestehen, nicht allzu gespannt gewesen zu sein, als die Geschichte begann. Das änderte sich aber schlagartig. Ich hörte einer richtig schönen Detektivgeschichte zu – so richtig mit schlüssiger Handlung, interessanten Personen und einer tollen Audrucksweise. Ich hätte nicht gedacht, dass man im Alter von zehn oder elf Jahren schon solch ein Talent zum Schreiben haben kann.
Toll!

Untertunnelt

Meine Passagiergruppe hat einen Besichtigungstermin bei der Firma Herrenknecht – die sitzen knapp dreißig Kilometer südlich von uns und stellen beeindruckend große Maschinen her, mit denen sich Tunnel bauen lassen.

Als Ortenauer hat man gelegentlich Kontakt zu Herrenknecht, wenn man auf der B36 zwischen Kehl und Lahr unterwegs ist – dort fahren nämlich gelegentlich die Schwertransporte, die eben diese gigantischen Tunnelmaschinen vom Werk zum Hafen befördern (übrigens sind genau diese Transporte auch der Grund, weshalb alle Kreisverkehre auf diesem Abschnitt der B36 eine Extraspur mitten durch den Kreisel haben. Die Schwertransporte sind nämlich zu groß, um der Kreisfahrbahn folgen zu können). Deshalb fand ich es durchaus interessant, bei der Firmenbesichtigung mitzugehen.

Begonnen hat die Besichtigung mit einer Präsentation über die verschiedenen Maschinenarten. Das war schon reichlich beeindruckend – schließlich haben die derzeit größten dieser Maschinen über 15 Meter Durchmesser, knapp über 19 Meter sind geplant. Das entspricht einer “Bohrmaschine”, deren Bohrdurchmesser der Höhe eines mehrstöckigen Hauses entspricht.

Nach der Präsentation ging es dann zur Werksführung. Sicherheitsschuhe, Helm und Schutzbrille (für unsere persönliche Sicherheit) sowie eine leuchtendgelbe Warnweste (vermutlich, damit wir von den Mitarbeitern problemlos als doofe Tourigruppe zu erkennen sind ;) ) – und los geht es.

Um es kurz zu beschreiben: wir sahen einen Ort, der vermutlich in den feuchten Träumen von Tim Taylor (arr, arr, arr) eine zentrale Rolle spielen könnte. Alles, was es zu sehen gab, war gigantisch groß – und es ist einfach faszinierend, wieviel Arbeit beim Tunnelbau mit solch einer Maschine automatisch erledigt werden kann.

Um einen Einblick zu geben, ist hier ein Video, in dem die Sendung mit der Maus den Tunnelbau erklärt – wie man uns sagte, wurde dieser Film bei Herrenknecht gedreht:

Kurze Bahnen

Um Kehl mit der Fernzugstrecke zu verbinden, haben wir die so genannte Ortenau-S-Bahn (OSB), die Kehl mit Strasbourg in der einen Richtung und Appenweier und Offenburg in der anderen Richtung verbindet.

Obwohl es „S-Bahn“ genannt wird, ist es halt ein Regionalzug, der meistens nur stündlich fährt. Manchmal auch zweistündlich. Und obwohl die Betreibergesellschaft TGO offensichtlich genügend Waggons hat, um die Bahn zu Berufspendelzeiten mit drei Waggons fahren zu lassen, begnügt man sich wochenends gerne mit einem Wagen. Und das kann knapp werden.

Ich erinnere mich an die Heimreise meines Freundes Gunnar, der an einem Wochenende in den Sommerferien bereits in Kehl arge Schwierigkeiten, mit seinem Fahrrad einzusteigen, weil der Waggon schon rappelvoll von Strasbourg ankam. Die überaus mürrische Art des Fahrers, mit der Lage umzugehen, führte dann dazu, dass ich mich bei der TGO beschwert habe. In der Antwort wurde unverbindlich zugesagt, den Bedarf neu zu berechnen. Auf meinen Vorschlag, doch einfach mit zwei oder drei Waggons loszufahren und die zusätzlichen Waggons nur dann aufzuschließen, wenn sie benötigt werden (um den Reinigungsaufwand in Grenzen zu halten), wurde nicht eingegangen.

Das war im Sommer vor zwei Jahren. Wirklich geändert scheint sich nichts zu haben. Jedenfalls besteht die OSB nach Offenburg wochenends weiterhin nur aus einem Waggon.

Richtig lustig fand ich eine Fahrt, die ich zu Beginn eines Wochenendes mit Brückenfeiertag und Ferienbeginn in Baden-Württemberg unternommen hatte. Da hätte man ja von selbst auf den Gedanken kommen können, dass es mehr Fahrgäste als sonst gibt. Es kam – genau: ein Waggon, schon ganz gut gefüllt. Wie immer. Zum Glück hatte ich nicht mein großes Fahrrad, sondern mein Klapprad bei mir. Dennoch war es sehr eng im Zug.

In Kork dann weitere Fahrgäste. Richtig eng wurde es dann. Und was ertönte? Eine Bandansage mit der Aufforderung, zusammenzurücken. Ich weiß nicht, ob ich das zu eng sehe, aber die Tatsache, dass es dieses Anliegen in der OSB schon als gespeicherte Ansage gibt, nährt in mir den Verdacht, dass es sich bei den überfüllten Bahnen eher um einen Dauerzustand als um eine Ausnahme handelt. Was spräche denn nun gegen einen zweiten Waggon? Die Fahrzeuge sind doch vorhanden, oder? Zu Berufpendelzeiten sind die Züge ja auch länger…