Diese Busfahrt war zweifellos eine der Fahrten, die einen mit einem Schlag sehr viele stressige Arbeitstage vergessen lassen und einem das Gefühl geben, bei der Berufswahl alles richtig gemacht zu haben: drei Tage am Lago Maggiore.
Los ging es am Mittwochmorgen. In einem Ort in der Nähe von Kehl stieg die sechzehnköpfige Gruppe ein – alles Freunde, die sich diese Fahrt gönnen, um den 55. Geburtstag eines der Reisenden zu feiern. Und von Anfang an nimmt mich die Gruppe eher wie einen weiteren Reisegast auf, keine Spur von der Distanz, die man zu manchen Gruppen als Dienstleister hat.
Abfahrt, bis wir nach zehn Minuten in Kehl ankommen. Dort ist in einem Gasthaus für uns ein tolles Frühstücksbuffet aufgebaut und wir lassen es uns schmecken. Dann geht es los in die Schweiz.
Ein kleiner Stau auf der A5 zwischen Lahr und Freiburg hält uns auf – ein Sattelzugfahrer parkte seinen Wagen im Spargefeld neben der Autobahn, sodass die A5 wegen des Bergekrans stark verengt war. An der Grenze gibt es keine Wartezeit, ich hatte noch vorbezahlte ¨Schweiz-Tage¨ (ab 3,5 Tonnen gilt die Autobahnvignette nicht mehr, dafür wird eine tageweise Abgabe fällig, und zwar egal, ob man auf der Autobahn, der Landstraße oder gar nicht fährt) und in Pratteln legen wir die erste Toilettenpause ein.
Weiter geht es auf den Schweizer Autobahnen in Richtung Gotthard, drumherum sieht es so aus, wie man sich die Schweiz meistens vorstellt: Berge, Wiesen, Seen. Zur Mittagpause halten wir an einer Raststätte vor dem Gotthardtunnel, wo wir neben dem Rastgelände direkt an einem Fluss picknicken können.
Es wäre natürlich schön gewesen, über den Gotthardpass zu fahren. Leider war der noch gesperrt, weshalb wir durch den Gotthardtunnel fahren. Er ist etwa 17km lang und damit der längste Straßentunnel der Schweiz (oder sogar Europas?). Und obwohl er beileibe nicht neu ist und es sogar Gegenverkehr gibt, fühlt man sich absolut sicher. Und durch Kilometertafeln beschleicht einen auch nie das Gefühl ¨Geht das noch lange? Wo bin ich?¨
Bevor wir die Autobahn bei Bellinzona verlassen, geht es kurz noch einmal an eine Raststätte zur Pinkelpause. Vom Autobahnende ist es noch ein knappes Stündchen bis zu unserem Zielort Brissago. Das liegt am Westufer des Lago Maggiore, noch auf der Schweizer Seite, direkt vor der Grenze nach Italien. In Brissago biegen wir dann scharf rechts hoch in den Berg, wo wir nach einigen abenteuerlichen Haarnadelkurven an unserer Unterkunft ankommen, dem Bellavista, das etwa 150m über Brissago am Hang liegt und einen traumhaften Blick auf den Lago Maggiore bietet.
Das Ehepaar, das das Bellavista betreibt, heißt uns herzlich willkommen und bevor wir unser Gepäck auf die Zimmer bringen, gibt es erst einmal einen Aperitiv auf der Terrasse mit Seeblick bei sommerlichem Wetter. Später richten wir uns dann auf den Zimmern ein, und bevor wir uns zum Abendessen treffen, spaziere ich nach Brissago runter und wieder rauf.
Das Dreigängemenü am Abend ist bombastisch: Salat vorneweg, dann englisch gebratenes Roastbeef mit Sauce Bearnaise, Kartoffeln, Reis und Gemüse, danach Obstsalat, Mascarponecreme, Erdbeeren und Käse. Und alles ist meisterlich zubereitet und von bester Qualität. Später spielen noch zwei Musiker für uns – denn außer uns befinden sich keine Gäste im Hotel. Es hätten auch kaum noch welche Platz, da das Hotel nur über zehn Doppelzimmer verfügt.
Am nächsten Tag geht es dann mit dem Bus nach Locarno. Dort gibt es eine schöne Innenstadt mit einem tollen Markt zu sehen, überall wachsen Palmen, natürlich kann man sich auch an den Lago Maggiore setzten oder eine Bootsfahrt unternehmen. Später am Nachmittag fahren wir dann noch für einen kurzen Besuch nach Ascona, bevor wir wieder zurück ans Hotel fahren.
Obwohl es mir klar ist, dass ich wieder ein bombastisch gutes Essen verpassen werde, klinke ich mich aus dem Abendessen aus, weil ich den Abend nutzen möchte, nach Italien zu radeln. Schließlich ist eines meiner Hobbies das Geocaching – und in Italien habe ich noch nichts gefunden. Da wäre es ja sträflich, die Chance, ein weiteres Land auf der persönlichen Statistiklandkarte einzufärben, verstreichen zu lassen
Also falte ich Brombeerfalter auseinander und mache mich auf den Weg. Die Grenze ist nahe und ich bin recht schnell auf der italienischen Seite und im ersten Ort Cannobio, wo ich auch schnell einen Geocache finde. Mission erfüllt!
Zum Abendessen setze ich mich in Cannobio auf die Terrasse einer Pizzeria, wo ich es mir bei Pizza, Salat und Rotwein gut gehen lasse. Später radle ich dann zurück nach Brissago (wobei ich die Steigung zum Hotel schiebenderweise zurücklege – es besteht halt schon ein kleiner Unterschied zwischen einem Faltrad und meinem bergtauglich ausgestatteten Reiserad) und lege mich schlafen.
Am Freitag verabschieden wir uns nach dem Frühstück von den netten Hoteliers und machen uns auf den Weg Richtung Autobahn. Erneut fahren wir durch den Gotthardtunnel und weiter Richtung Luzern, wo wir in Seelisberg von der Autobahn abfahren, weil in Seelisberg noch der Besuch einer Bergkäserei ansteht. Dort erfahren wir einiges über die Käseherstellung und dürfen natürlich auch reichlich probieren. Ich kaufe mir einen kleinen würzigen Bergkäse für zu hause.
Die restliche Heimfahrt geht unspektakulär vonstatten, eine kurze Pause an der Raststätte an der Grenze und am späten Nachmittag sind wir wieder zurück.
Es war eine wunderschöne Fahrt, und obwohl es natürlich mein Beruf ist, Leute umher zu fahren, habe ich mich eher als Gast der Gruppe gefühlt.
Wer ein paar Bilder sehen möchte, der kann hier welche sehen. Der Link führt zwar zu Facebook, allerdings kann man die Bilder auch ansehen, wenn man nicht bei Facebook angemeldet ist.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...