Zu Beginn des vergangenen Monats war ich im Urlaub – und zwar genau zu der Zeit, zu der Gehalt auf meinem Konto ein- und fällige Zahlungen abgehen sollten. Nachdem mein Arbeitgeber das Konto bei derselben Filiale derselben Bank führt wie ich damals noch, ich ferner wusste, dass er die Überweisung meines Lohns am Samstag, den 31. März eingereicht hat, habe ich todesmutig meine fälligen Überweisungen auf Dienstag, den 3. April datiert. Zudem – selbst wenn sich das überschneiden würde, war ich ja jahrelang Stammkunde mit konstantem Gehalt und zahlte klaglos die höchsten Kontoführungsgebühren der Stadt, da wird im Zweifelsfall ja ein wenig Service inklusive sein.
Laut der Banking-App meines Schlaufernsprechers ereignete sich am 3. April indessen folgendes: zwischen 8.00 und 8.30 Uhr gab die @AlteBank drei Überweisungen mangels Deckung zurück und zog auch gleich dreimal 3 Euro Benachrichtigungskosten ein, wenige Minuten vor 9.00 Uhr kam dann mein Gehalt.
Grummel. Die fälligen Überweisungen online erneut absenden konnte ich nicht, da ich dummerweise meinen TAN-Generator (dieses Ding, dem man die Kontokarte rektal einführt und es dann an diese Flackerbilder hält, die in Asien epileptische Anfälle auslösen) nicht im Reisegepäck dabei hatte und die @AlteBank leider weder Telefonbanking noch Handy-TAN anbietet.
Ich verbrachte also doch einige Urlaubszeit damit, eine Dresdner Filiale der @AlteBank aufzusuchen. Dort konnte man mir zwar prinzipiell nicht helfen, aber mit viel gutem Service eines Mitarbeiters und mehreren Telefonaten seinerseits konnte er wenigstens die dringendste der drei Überweisungen fernauslösen. Danke hier nochmals!
In mir wuchs während des Gegrummels der Wunsch nach einer Bank, die wenigstens für den Notfall auch Telefonbanking anbietet – und wenn schon so stur automatisch gearbeitet wird, wenigstens kostenlose Kontenführung anbietet – bei einer solchen hätte ich ja nie den Service erwartet, dass die Lastschriften bei Nichtdeckung von einem Sachbearbeiter geprüft werden.
Ich fand also die @NeueBank, die all das bietet: TAN-Generator, Handy-TAN, Telefon-Banking und kostenlose Kontoführung. Also schnell dort ein Konto online eröffnet und, als die Bestätigung kam, folgenden Brief an die @AlteBank verfasst:
Kündigung meines Girokontos Nr. 0815 sowie meines Tagesgeldkontos 4711
Sehr geehrte Damen und Herren,
da ich über den vergangenen Monatswechsel in Urlaub war, habe ich einige meiner monatlichen Überweisungen vorab per Onlinebanking eingerichtet und die Ausführung zum 3.4. vereinbart.
Da mein Gehalt am frühen Morgen des 3.4. noch nicht gebucht war, wurden demnach zwei Überweisungen sowie eine Lastschrift nicht ausgeführt, wodurch mir Ihrerseits bereits 9 Euro Benachrichtigungskosten berechnet wurden.
Kurze Zeit später wurde dann der Gehaltseingang verbucht.
Ich bin der Auffassung, dass, wenn es schon mehrere Buchungstermine am selben Tag geben muss, man Terminüberweisungen entweder gegen Tagesende buchen sollte oder aber, falls dies nicht erwünscht sein sollte, zumindest so viel Feingefühl an den Tag legen sollte, einem Kunden, der seit mehreren Jahren ein monatlich festes Gehalt bezieht (und dessen Arbeitgeber ebenfalls Kunde Ihres Hauses ist), nicht durch solch eine Aktion derart offen das Misstrauen auszusprechen.
Da Sie leider weder Telefonbanking noch das mobileTAN-Verfahren anbieten (so dass ich die Überweisungen auch ohne chipTAN-Gerät einfach von unterwegs aus erneut hätte auslösen können), ich somit einen nicht ganz unerheblichen Teil meiner Urlaubszeit darauf verwenden musste, um eine @AlteBank vor Ort zu finden, um wenigstens die dringlichste der drei Überweisungen erneut auslösen zu können, habe ich den dadurch empfundenen Ärger zum Anlass genommen, mir eine andere Bank zu suchen.
Ich kündige daher hiermit zum nächstmöglichen Termin meine beiden o.a. Konten. Ein eventuelles Restguthaben möchten Sie bitte auf mein Konto Nr. 12345 bei BLZ 99966633 (@NeueBank) überweisen.
Darüber hinaus bitte ich Sie, von Rückholversuchen sowie der Zusendung von Reklame abzusehen.
Mit freundlichen Grüßen
Eine gewisse Zeit später bekam ich dann Post von einem “Abteilungsdirektor Geschäftsbereich Verwaltung” der @AlteBank. Keine Ahnung, was der Titel bedeutet – ich weiß nicht, ob das eine echte Größe ist oder, um Rabenau zu zitieren, “ein wichtiges Scheibchen unter einem Schräubchen an einem Rädchen im Getriebe”. Ich erlaube mir, diesen Brief jeweils nach meiner Lesart zu deuten.
Die Kündigung Ihrer Konten mit der Nummer 0815 und Nummer 4711,
sehr geehrter Herr Brombeerfalter,
liegt uns vor. Keine Angst, dies ist kein Rückholversuch – allerdings wollen wir einige Aussagen doch klarstellen:
Wieso sollten wir einen unbequemen Kunden wie Dich behalten wollen? Interessant warst Du nur, als Du brav gezahlt hast und ansonsten nicht aufgefallen bist.
Wir erkennen, dass Sie mit dem Service und verschiedenen Abläufen in unserem Haus nicht zufrieden sind.
Das war in Deiner Kündigung auch nicht zu übersehen.
Das bedauern wir. Die Zufriedenheit unserer über 40.000 Kunden ist uns sehr wichtig. Deshalb nehmen wir Ihren Hinweis gerne entgegen.
Meinst Du, es schert uns, wenn so ein kleines Licht wie Du wechselt? Hey, da sind noch 40.000 andere Lemminge, die unsere hohen Gebühren zahlen.
Die Tatsache, dass sich Ihre Dispositionen an einem Tag überkreuzt haben, ist wohl einem unglücklichen Zufall zu verdanken.
Vielleicht glaubst Du jetzt ja, dass wir eine Überweisung im Haus unmöglich an einem Werktag abwickeln können – ist viel zu viel Arbeit.
Sie nutzen bei uns das kostenlose Kontenmodell XY. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Menge der täglich anfallenden, standardisierten Transaktionen bei diesen Preisen nur bewältigen können, wenn diese EDV-technisch abgewickelt werden können.
Guck mal: Deine Unzufriedenheit war es mir noch nicht einmal wert, nachzuschauen, welches Kontenmodell Du bei uns hast. Ich gehe mal von “kostenlos” aus. Und was nichts kostet, ist auch nichts. Merks Dir!
Hier liegt die Ursache und nicht etwa im fehlenden Feingefühl unseres Kundenberaters und ein Ausdruck des Misstrauens ist dies ebenfalls nicht.
Unser Kundenberater ist nämlich ein ganz ein Sanfter – auf Wunsch massiert er Dich auch, wenn Du es Dir leisten könntest.
Ihren Hinweis zu den TAN-Verfahren zur Legitimation nehmen wir zur Kenntnis. Bitte beachten Sie jedoch, dass wir unseren Kunden nur sichere Verfahren anbieten.
Bitte nimm zur Kenntnis, dass uns zahlreiche Testberichte, die dem mobileTAN-Verfahren ein vergleichbares Sicherheitsniveau wie dem chip-TAN-Verfahren attestieren, nicht interessieren.
Wir verstehen, dass Sie sich über diesen Vorgang geärgert haben.
Es geht uns vierspurig am Allerwertesten vorbei.
Allerdings erlauben Sie uns den Hinweis, dass Sie Ihre Dispositionen wohl nicht ganz glücklich getroffen haben. Überweisungsaufträge kann man nun einmal nur bei entsprechender Deckung durch Guthaben oder in Rahmen [sic!] eines Kreditlimits ausführen.
Aber das hat nichts mit Misstrauen zu tun, dass wir Dir das Geld nicht eine halbe Stunde vorstrecken konnten.
Dass der Gehaltseingang erst später eingegangen ist, haben wir nicht zu vertreten.
Wir lassen nämlich unsere Überweisungen im Haus aus Kostengründen von einbeinigen mongolischen Jungfrauen in lauen Vollmondnächten bearbeiten, also maul nicht rum, wenn es mal länger dauert.
Freundliche Grüße
Auf Nimmerwiedersehen
Irgendwie hat mich dieser Brief auf eine Art gefreut – er kam mir so vor, als balancierte der Herr Abteilungsdirektor auf dem messerscharfen Grat zwischen “ich muss freundlich sein” und “diesem meckernden Arschloch werde ich die Meinung geigen”. Ich kann es mir ganz gut bildlich vorstellen.
Klar wird mein Bankenwechsel keinen Einfluss auf die Bilanzen der @AlteBank haben. Aber wieso sollte ich noch im teuersten Haus am Platze bleiben? Autmatisierte Behandlung gibt es wie erwähnt anderswo gratis. Und eine emotionale Bindung habe ich zu den Banken, bei denen ich bislang Kunde war, nie aufgebaut.
Nichtsdestotrotz schrieb ich eine e-Mail an die im Brief genannte Adresse:
Ihr Schreiben vom 26. April 2012
Sehr geehrter Herr Mustermann,
herzlichen Dank für Ihr o.a. Schreiben. Sicherlich hätte ich, um sicher zu gehen, meine Überweisungen einen Tag später terminieren können. Allerdings wusste ich, dass meine Chefin die Überweisung mit meinem Lohn am Samstag, den 31. März, in Ihrem Hause in den Briefkasten geworfen hat, weshalb ich davon ausging, dass diese am Montag sicher bearbeitet würde. Aber gut, dies war in der Tat mein Fehler.
Dass bei einem kostenlosen Girokonto die Bearbeitung der Buchungen vollautomatisiert erfolgt, leuchtet mir ein und ich würde bei einem solchen Konto auch keine persönliche Nachbearbeitung erwarten. Indes erlaube ich mir den Hinweis, dass mein Konto in Ihrem Hause alles andere als kostenlos war – ich zahlte jeden Monat 1,50 Euro und für jede Buchung 0,25 Euro – selbst für Online-Überweisungen. Im Jahr dürften so, ohne es nun genau ausgerechnet zu haben, etwa 50 bis 60 Euro an Gebühren aufgelaufen sein (und wenn ich meine bargeldlosen Zahlungen nicht, wann
immer möglich, mit einer anderen Karte erledigt hätte, wären es wohl eher 80 bis 100 Euro jährlich geworden). Sie werden mir sicher zustimmen, dass dies nicht kostenlos ist (und deshalb hatte ich auch angenommen, dass es hier eine Art “Rückkontrolle” durch einen Sachbearbeiter gäbe). Ein kostenloses Modell gab es meines Wissens nicht in Ihrem Hause, als ich seinerzeit das Konto eröffnete.
Ich hätte nun doch noch zwei Fragen:
1. zu welchem Termin tritt die Kündigung in Kraft?
2. soll ich Ihnen meine Kundenkarte zurücksenden oder selbst vernichten und entsorgen? Der Geldkarten-Chip ist bereits entladen.
Mit freundlichen Grüßen
Brombeerfalter
Die beiden Fragen dienten eigentlich nur dazu, die @AlteBank zu einer Antwort zu bewegen. Ich ging nämlich davon aus, dass man sich ansonsten tot stellen würde.
Die Antwort kam indes am 3. Mai in Gestalt einer e-Mail von einer der Mitarbeiterinnen des Abteilungsdirektors. Kurz und knapp:
Guten Tag Herr Brombeerfalter,
wir werden die beiden o.a. Konten per morgen (4.5.2012) abrechnen und schließen.
Die Karte können Sie selbst vernichten.
Freundliche Grüße
Diese Nachricht muss ich nicht deuten. Interessant zu deuten finde ich eher, was nicht geschrieben wurde:
Und es interessiert uns einen feuchten Kehricht, ob Dein kostenloses Konto gratis oder sauteuer war – Du hast bei uns den konstenlosen Service bekommen und damit basta! Mehr bekommst Du hier nicht.
Hach ja, irgendwie bin ich gar nicht so extrem böse, dass es nun nicht mehr mein Geld ist, das den Kauf merkwürdiger Kunstobjekte für die Schalterhalle mitfinanziert. Und dass ihr, liebe @AlteBank, lokale Vereine unterstützt, ist edel – aber wenn ich das Geld, das ich nun einspare, direkt an lokale Projekte gebe, die ich unterstützen möchte, fühle ich mich besser und die haben auch mehr davon.
In diesem Sinne:
Tschüss.
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