Schamlose Eigenwerbung

Seit einem guten Monat habe ich noch einen weiteren Blog am laufen, der allerdings von eher regionalem Interesse sein dürfte. Auf kehl-radelt.de sammle ich alles Mögliche, was den Fahrradverkehr in und um Kehl betreffen könnte. Und natürlich freue ich mich über jede Form der Beteiligung.

Ausgerastet

Heute vor 26 Jahren ereignete sich der folgenschwere Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl. Anlässlich dessen fand am vergangenen Wochenende eine Demonstration gegen Atomkraft statt. Die Demonstranten haben sich hierzu auf der Europabrücke, die Kehl und Strasbourg verbindet, versammelt, und eine Weile den Verkehr blockiert.

Wie in den letzten Tagen in den Lokalmedien zu hören war und wie Norbert Hense, der an der Demo teilgenommen hat, in seinem Blog berichtet, ging einem Autofahrer die Warterei derart auf die Nerven, dass er mit seinem Wagen in die Menschenmenge hineinfuhr.

Glücklicherweise scheint niemand verletzt worden zu sein – und die französische Polizei hat sich den Medienberichten zufolge auch gleich des wütenden Menschen angenommen.

Aber mal ehrlich: ganz gleich, ob man eine Demo auf der Europabrücke als sinnvoll, übertrieben oder provokant ansieht – wir leben nicht mehr im 15. Jahrhundert, als es außer den Brücken bei Kehl und Basel keine Übergänge über den Rhein gab. Die nächsten Grenzen von Kehl sind in jeweils fünfzehn Minuten erreichbar – man hat also eine Alternative zum Warten. Und wer mit dem Auto absichtlich in eine Menschenmenge fährt, der benutzt es meiner Meinung nach nicht als Fortbewegungsmittel, sondern als Waffe. Und so sollte es nach meiner Auffassung auch rechtlich behandelt werden – sprich, die Waffe, also das Auto, sollte dem Mann weggenommen werden und da er gewisse Anzeichen erkennen ließ, dass er mit der Teilnahme am Straßenverkehr charakterlich überfordert ist, sollte ihm auch die Fahrerlaubnis dauerhaft entzogen werden.

Ich gönne jedem seinen Ausraster. Aber es hätte wohl genügt, herumzubrüllen und die Umstehenden anzupöbeln – für so eine Aktion habe ich jedoch keinerlei Verständnis.

Kleingeld und Pampers

Mein Fahrgast ist ein Rentner aus dem Elsass, der gerade aus einem der zahlreichen Kehler Automatencasinos gekommen war. Er spiele immer nur, bis er 100€ verloren habe, heute habe er sogar bloß 50€ verspielt. Er sei schließlich nicht süchtig. Aber gestern habe er aus zwanzig Euro dreihundert gemacht. Vorgestern habe er allerdings nur verloren. Dafür hatte er davor richtig Glück. Fünfhundert Euro! Aber süchtig – nein, er nicht. Andere ja, aber nicht er.

Es steht mir nicht zu, mir darüber ein Urteil zu erlauben. Aber die Art, in der er mir vom Automatenspiel erzählte und die leichte Vernachlässigung der Körperpflege, die wahrnehmbar war, lassen mich glauben, dass er die Suchtfrage vielleicht nicht ganz zutreffend bewertet hat.

Das Geschäft scheint sich jedenfalls zu lohnen. Immerhin sind in Kehl rund 600 Geldspielgeräte angemeldet, was der Stadt die höchste Automatendichte (auf die Einwohnerzahl bezogen) in Baden-Württemberg beschert. Es wurden gar neue Bistros gegründet, um Automaten aufzustellen. Andere gastronomische Betriebe haben es in Kauf genommen, ihre langjährige Stammkundschaft zu verprellen, um die Zocker anzulocken.

Die Stadt wäre schlecht beraten, das Geschäft ernstlich zu unterbinden – schließlich sorgen Gewerbe- und Vergnügungssteuer für ordentliche Einnahmen im Haushalt. So finden Kontrollen eher spärlich und symbolisch statt, auch wenn neulich 7 unzulässige Automaten entdeckt wurden.

Dass dieses Geld nicht mit Leuten verdient wird, die mal gelegentlich ein paar Euro in der Kneipe in solch einen Automaten werfen, sondern mit Gewohnheitsspielern, dürfte klar sein.

Wie sehr es Süchtige jedoch an die Geräte zieht, weiß ich erst seit kurzem, als mir meine WG-Partnerin erzählte, eine gemeinsame Bekannte habe sich als Aushilfe in einem der Casinos beworben. Beim Probearbeiten sei ihr gesagt worden, sie solle sich nicht wundern, wenn sie beim Putzen der Sanitärräume benutzte Windeln fände. Diese würden von manchen Dauerspielern getragen, damit sie sich nicht von Nebensächlichkeiten wie menschlichen Bedürfnissen vom Spiel abhalten lassen müssen.

Mal ehrlich: DAS ist doch definitiv ein Anzeichen für Sucht, oder?

Schuster-Radweg

Freier Tag (da ich in der wöchentlichen Prügelei um die Arbeitsschichten grandios verloren habe und deshalb die Nachtschicht machen muss darf), Frühlingswetter – ideale Voraussetzung, den Schuster-Radweg in Angriff zu nehmen. Nie gehört? Ich auch nicht,

Mein Problem war lediglich meine an und für sich superstabile Umhängetasche aus Materialien, aus denen auch gerne militärischer Trödel hergestellt wird (vermutlich ist der Stoff stark genug, um einen Lkw abzuschleppen). Trotz solider Verarbeitung löste sich der Umhängegurt an der einen Seite. Meine Nähkünste waren leider nicht so, dass ich das Problem langfristig lösen konnte. Für eine normale Nähmaschine ist das Material zu kräftig, also ab zum Schuhreparaturfritzen.

Nach gewisser Recherche (durch die Stadt fahren, Gelbe Seiten, Telefonbuch, Google, DasÖrtliche-App, Taxikollegen befragen) dann die Ernüchterung: Kehl hat keine Schuhreparatur mehr. 600 Spielautomaten und mindestens zehn Solarien, aber keinen Schuster. Gibt es doch nicht, dass sich so etwas in einer 25.000-Einwohner-Stadt nicht rentieren würde. Offenburg hat deren drei – aber weniger als 75.000 Einwohner, also müsste es doch rein rechnerisch…

Nun, die oben erwähnten Umstände “freier Tag” und “schönes Wetter” – zusammen mit den Unverschämtheiten, die mir dieses A’loch, das auf meinem Badezimmerboden wohnt, täglich in dreistelliger Form an den Kopf wirft, motivierten mich also zu einer 45-km-Radtour, nur zu dem Zweck, meine Umhängetasche nähen zu lassen. Gut, gell?

Hat Spaß gemacht. Denn natürlich ist solche eine Tour quasi prädestiniert dazu, ein paar Geocaches zu heben (8 insgesamt). Und diese Geocaches sind dann eine prima Gelegenheit, meine neuen Log-Spuckis auszuprobieren (Spuckipapier bestellt, mir dem Laserdrucker bedruckt – super Sache und offenbar hat mein Augenmaß doch gewisse Qualitäten, denn die Dinger passen bestens in die Standard-Micro-Logbücher in der gemeinen Wald-und-Wiesen-Filmdose). So sieht das ganze aus:

Log-Spucki

Passt genau aufs Micro-Log

Nach fünf Caches habe ich es dann auch endlich zum Schuster geschafft :)

Zwanzig Minuten später und 7,50 Euro ärmer nehmen ich den Rückweg in Angriff. Der bringt noch einmal drei Caches. War also in jeder Hinsicht eine erfolgreiche Radtour.

Dennoch: liebe Schuster, kommt nach Kehl. Wenigstens einer von euch…